14 Heilpflanzen und ihre Wirkungen auf Medikamente:

Was sollte man bei der Einnahme mehrerer Medikamente berücksichtigen?

Stand: 31.07.2020

1. Wie beeinflussen Heilpflanzen die Einnahme von Medikamenten?

Die Einnahme von pflanzlichen Arzneimitteln ist weltweit stark verbreitet, so nehmen bis zu 80% der Weltbevölkerung pflanzliche Medikamente zu sich. Insbesondere in den USA, aber auch in hier in Deutschland werden immer häufiger Heilpflanzen zusätzlich zu den verschriebenen Medikamenten eingenommen. Doch die parallele Einnahme von pflanzlichen Medikamenten und „regulären“ Arzneimitteln ist nicht frei von Risiken.

Denn die gleichzeitige Einnahme kann Wechselwirkugen hervorrufen. Bei Wechselwirkungen handelt es sich um Beeinflussungen, die Medikamente untereinander oder auch mit Lebensmitteln haben können. Dabei wird die Wirkweise oder die Konzentration des Wirkstoffs entweder verstärkt, abgeschwächt und in manchen Fällen sogar komplett aufgehoben. Über Wechselwirkungen zwischen Medikamenten untereinander und zwischen Medikamenten und Lebensmitteln haben wir bereits Beiträge geschrieben.

Bei der Einnahme von pflanzlichen Arzneimitteln mit normalen Medikamenten spielt dein Stoffwechsel eine entscheidene Rolle. Denn die pflanzlichen Wirkstoffe können dazu führen, dass bestimmte Enzyme oder Transportwege, die für die vorgesehene Entfaltung des Wirkstoffs eine entscheidene Rolle spielen, beeinflusst werden. Dies gilt insbesondere für verschiedene CYP-Enzyme und sogenannte PGP-Pumpen.

Wechselwirkungen mit Lebensmitteln

Nicht nur zwischen Medikamenten, sondern auch zwischen Lebensmitteln und Medikamenten treten Wechselwirkungen auf. Worauf man achten sollte, haben wir zusammengefasst.

2. Welche Heilpflanzen rufen Wechselwirkungen hervor, welche hingegen sind unbedenklicher?

Beispiel 1: Trauben-Silberkerze (auch Frauenwurzel, Blauer Hahnenfuss, Schwarze oder Wilde Schlangenwurzel)

Klinische Studien zeigen, dass die Einnahme der Trauben-Silberkerze dazu führt, dass das sogenannte OATP2B1, das für den Transport von Wirkstoffen in deinem Körper zuständig ist, gehemmt wird. Wirkstoffe wie Cholesterinsenker (z.B. Simvastatin, Atorvastatin) werden so in ihrer Wirkweise abgeschwächt. Das gleiche gilt für manche Antiallergika (z.B. Fexofenadin), Antiarrhythmika (z.B. Amiodaron) oder Diabetesmedikamente (z.B. Gilbenclamid)

Beispiel 2: Cranberry (auch Moosbeere)

Zahlreichen Berichten zur Folge soll Cranberry die Konzentration von Blutgerinnungshemmer (z.B. Warfarin) erhöhen. Klinische Studien können dies bislang allerdings nicht belegen, sodass auch das Trinken von Cranberry-Saft als unbedenklich gilt.

Beispiel 3: Kurkuma

Kurkuma ist vor allem als Gewürz aus der indischen Küche und insbesondere als Bestandteil des Curry-Gewürzes bekannt. Forschungen an der Universität des Saarlandes zeigen, dass der Inhaltsstoff Curcumin, ähnlich wie Cortison, entzündungshemmend wirkt. Gleichzeitig führt Kurkuma zu einem erhöhten Vorkommen des Enzyms CYP1A2. Das kann zu einer reduzierten Wirkweise von vielen Antidepressiva und Psychophamaka führen. Daher ist hier eine Absprache mit deinem Arzt oder Apotheker notwendig.

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Beispiel 4: Sonnenhüte (auch Igelköpfe)

Auch der Sonnenhut wirkt sich auf das Vorkommen der CYP Enzyme CYP1A2 und CYP3A4 aus. Somit solltest du auch hier vorsichtig sein, wenn du Antidepressiva oder Psychopharmaka einnimmst.

Beispiel 5: Knoblauch

Knoblauch werden verschiedene heilende Wirkungen zugesprochen. Dennoch ist auch hier Vorsicht geboten. Nahrungsergänzungsmittel wie beispielsweise Knoblauchkapseln beeinflussen den Transport von Medikamenten über die PGP Pumpen. Betroffen sind davon vor allem Medikamente wie Cholesterinsenker (z.B. Rosuvastatin), Gichtmedikamente (z.B. Colchicin) oder Blutdrucksenker (z.B. Verapamil).

Beispiel 6: Ginko (Gingko)

Der Ginko-Baum, bekannt vor allem aus der chinesischen Medizin,  wird heute vor allem in der Behandlung von Demenz eingesetzt. Eine Kombination vom Ginkoextrakt mit Blutgerinnungshemmer (z.B. Warfarin) kann jedoch das Blutungsrisiko erhöhen und sollte insbesondere vor Operationen abgesetzt werden.

Beispiel 7: Ginseng (Asiatisch, auch Kraftwurzel, Samwurzel oder Gilgen).

Ginseng ist vor allem aus der traditionellen koreanischen und chinesischen Medizin bekannt. Die Einnahme führt zu einer Hemmung des Enzyms CYP3A4, was die Wirkweise vieler Medikamente beeinflusst. Dazu zählen u.a. Calcium-Kanal-Blocker (z.B. Amlodipin), Cholesterinsenker (z.B. Simvastatin, Atorvastatin) und verschiedene Antidepressiva. Ebenfalls beeinflusst werden Medikamente für die Chemotherapie und zur Behandlung von HIV (AIDS). Daher solltest du zwingend von einer Einnahme von Ginseng absehen, wenn du eines der genannten Medikamente einnimmst.

Beispiel 8: Kanadische Orangenwurzel (Goldsiegelwurzel, Kanadische Gelbwurz)

Die Goldsiegelwurzel oder deren Nahrungsergänzungsmittel hemmt die Enzyme CYP2D6 und CYP3A4 in der Leber. Die regelmäßige Einnahme der kanadischen Gelbwurz ist schwerwiegend. Denn so wird der Abbau von über 50% aller eingesetzten Wirkstoffe verhindert. Von einer Einnahme parallel zu normalen Medikamenten ist daher dringend abzuraten.

Beispiel 9: Grüner Tee

Das Extrakt des Grünen Tees führt dazu, dass der Transport von Wirkstoffen über die PGP Pumpen gehemmt wird. Dies hat insbesondere Auswirkungen auf Cholesterinsenker (Atorvastatin, Simvastatin), aber auch auf einige Beta-Blocker und Tumormedikamente (z.B. Imatinib).

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Beispiel 10: Kava (auch Kava-Kava, Rauschpfeffer)

Im Dezember 2019 gab die deutsche Arzneimittelkommission bekannt, dass alle Kava-Kava haltigen sowie alle kavainhaltigen Arzneimittel inklusive homöopathischer Arzneimittel zurückgerufen werden. Studien legen nahe, dass in Folge einer Einnahme von kavainhaltigen Arzneimitteln schwere Leberreaktionen auftreten.

Beispiel 11: Mariendistel

Die Mariendistel kommt insbesondere zum Einsatz, um die Leber zu stärken und Schäden zu reparierern (Hepatitis B und C, Zirrhose). Zudem wird ihr eine entgiftende Wirkung nachgesagt. Wechselwirkungen können jedoch hervorgerufen werden, da die Mariendistel das CYP2C9 hemmt. Dadurch kann das Vorkommen von Blutgerinnungshemmern (z.B. Warfarin), Antiepileptikern (z.B. Phenytoin) oder Beruhigungsmedikamenten (Valium) abgeschwächt wird.

Beispiel 12: Sägepalme

Die Sägepalme zeigt laut klinischen Studien keine Beeinflussung von einigen CYP-Enzymen, sodass, Stand heute, nicht zwingend von einer negativen Auswirkung auf Medikamente auszugehen ist.

Beispiel 13: Johanniskraut

Der Klassiker unter den pflanzliches Arzneimittel ist das Johanisskraut, das unter anderem gegen Depressionen eingenommen wird. Klinische Studien zeigen jedoch eine starke Beeinflussung von Johanniskraut auf das Leberenzym CYP3A4 und die PGP-Pumpe. In den Studien konnte dadurch eine Reduzierung der Wirkweise von Antidepressiva (Venflaxin), Krebsmedikamente (Irinotecan), Asthmamittel (Theophyllin), Blutgerinnungshemmern (z.B. Warfarin) und weiteren Immunsuppresiva nachweisen. Daher solltest du die gleichzeitige Verwendung von Johanniskraut mit rezeptfreien und verschreibungspflichtigen Medikamenten vermeiden.

Beispiel 14: Echter Baldrian

Echter Baldrian birgt klinischen Studien zur Folge eine geringes Risiko dafür, die Wirkweise von Medikamenten negativ zu beeinflussen.

3. Was sollte man bei der Einnahme von mehreren Medikamenten berücksichtigen?

Die obige Auflistung zeigt, wie komplex das Feld der Wechselwirkungen werden kann. Daher solltest du dich immer individuell beraten lassen und bei einer Einnahme von Heilpflanzen wichtige Laborwerte stetig kontrollieren lassen. Eine Anlaufstelle für eine solche Prüfung auf Wechselwirkungen sind spezialisierte Apotheker (ATHINA-Apotheker), die dir dabei helfen können, die für deine Gesundheit richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir von Aporize, verbinden dich auf Wunsch mit einem ATHINA-Apotheker, der unabhängig von deinem Hausarzt, deine Medikamente auf Wechselwirkungen überprüft und dir die Ergebnisse einfach erklärt.

Ein weiteres wichtiges Hilfsmittel stellt dabei der Medikationsplan dar, indem du all deine eingenommenen Medikamente und pflanzlichen Arzneimittel auflisten kannst. Bei Aporize kannst du diesen bequem digital erstellen, immer aktuell halten und dir bei Bedarf zur Mitnahme ausdrucken.

Häufige Anzeichen von Wechselwirkungen

Ein Großteil von Wechselwirkungen bleibt unerkannt. Die Symptome werden häufig für Nebenwirkungen gehalten und führen leider oftmals zu noch mehr verschriebenen Medikamenten.

Schwindel und Übelkeit

Schmerzen und Gliederschmerzen

Erektionsstörungen und Unlust

Müdigkeit und Antriebslosigkeit

Quellen:

American Family Physician (2017): https://www.aafp.org/afp/2017/0715/p101.html

BFARM (2019): shorturl.at/mHNQX 

Deutsche Apotheker Zeitung (2016): shorturl.at/tuyQ6 

 

 

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